Dokumente des Monats


Die japanische Broschüre in den Archiven

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Im Archiv können Sie ungewöhnliche Dokumente entdecken. In diesem Monat präsentieren wir Ihnen eine Broschüre, die komplett auf Japanisch verfasst ist und die engen Beziehungen zwischen dem Elsass und Japan illustriert.

Diese Beziehungen existieren sowohl auf universitärer und industrieller als auch auf kulinarischer und politischer Ebene. Ihren Höhepunkt finden sie in der Einrichtung eines Konsulats.

Schritt 1: bringen Sie die Japaner ins Elsass

Um 1900 waren die Beziehungen zwischen dem Elsass und Japan sehr bedeutend. Sie involvierten damals vor allem Missionare, Soldaten, Juristen, Händler sowie Experten.

 

Mit der Öffnung der Grenzen und dem Verlust der Kolonien brauchte das Elsass nach dem Zweiten Weltkrieg neue Investoren. Zunächst ließen sich insbesondere amerikanische, schweizerische und deutsche Unternehmen nieder. Doch mit der Ölkrise von 1973 wurde die Markterkundung erweitert. Die Ausrichtung auf Japan war dabei ganz selbstverständlich, da das fernöstliche Land seinerseits in Europa Fuß fassen wollte.

Schritt 2 : verführen Sie die Japaner

Die attraktivsten Standortvorteile für Japan waren insbesondere die Lage des Elsass auf der Rheinachse, seine Kommunikationsinfrastruktur, seine Wirtschaft und die ausgezeichneten Hochschulzentren. Doch die Japaner gaben zu, sich vor allem in der elsässischen Mentalität wiederzuerkennen: Solidarität, Pünktlichkeit, Ernsthaftigkeit und Disziplin ...

Daher verwundert es nicht, dass sich gerade Unternehmen wie Sony, Ricoh, Sharp oder Yamaha in dem Gebiet niedergelassen haben. Ihre Entscheidung wurde durch das Seijo-Gymnasium in Kientzheim gestützt, wo die Kinder japanischer Führungskräfte zur Schule gehen können und dabei die japanischen Lehrpläne eingehalten werden.

 

Im Gegensatz dazu brachte das Elsass seine regionale Küche nach Japan. Im Jahr 1986 ließ sich die Fleischerei Kirn dort nieder, zusammen mit zehn Partnern aus der Lebensmittelbranche, die in Europa für ihre Luxusprodukte bekannt waren.

Während des Japan-Jahres in Frankreich 1997 startete das Elsass eine Überzeugungskampagne mit 15 elsässischen Sterneköchen, die während zweier Galadinner für rund 750 Gäste kochten. Sie kamen mit Winzern, Destillateuren und Braumeistern sowie Produzenten für Stopfleber, Gewürzkuchen und Kekse.

Schritt 3 : aufbauen starke Beziehungen

Es gab zudem mehrere offizielle Besuche: Der japanische Botschafter Kazuo Ogoura kam im Juni 2000 mit seiner Ehefrau nach Straßburg. Darüber hinaus begann ein Generalkonsul als Ständiger Beobachter seine Tätigkeit beim Europarat in Straßburg.

 

Zudem zeugen wichtige universitäre Austauschprogramme von der Stärke dieser Beziehungen. 1955 wurde zwischen der Universität Straßburg und den Universitäten von Tokio und Kyoto eine Vereinbarung unterzeichnet. Im Jahr 2001 wurde ein japanisches Studentenwohnheim in Straßburg eröffnet. Es soll ein Treffpunkt für Studenten, Dozenten und Forscher beider Länder sein. Eine Hochschulausbildung zur Beherrschung der japanischen Sprache wurde ebenfalls eingerichtet.

 

Schließlich ist die kulturelle Zusammenarbeit erwähnenswert: Aufführungen klassischer Tänze, Hinterlegung von Werken im Garten der zwei Ufer in Straßburg, Tourneen des Philharmonischen Orchesters in den Jahren 1976, 1985 und 1993, museale Ausstellungen, mehrere Reisen der Rheinischen Nationaloper nach Japan ... Das geht sogar bis zum Import des Weihnachtsmarkts in Tokio – ohne Sushi, dafür mit Flammkuchen und Elsässerinnen in traditioneller Tracht!