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Chemische Toiletten in den Beständen

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Beim Suchen in den Beständen kann der Leser gelegentlich auf Dokumente stoßen, die untypisch wirken und aufgrund ihrer Trivialität lächeln lassen. Die Akte 153MW10, die sich mit einem Projekt zum Erwerb chemischer Toiletten kurz vor dem Zweiten Weltkrieg befasst, ist wahrscheinlich eine davon! Aber warum hat die Verwaltung der Stadt Straßburg ein ähnliches Projekt durchgeführt wenige Wochen vor Ausbruch des Konflikts?

Gerade in dieser Spannungsperiode ist dieses Thema durchaus sinnvoll. Seit Mitte der 1930er Jahre scheint der Marsch in den Krieg unvermeidlich. Angesichts der internationalen Spannungen schmiedete die französische Regierung las Fortsatz des Gesetzes vom 9. April 1935 einen großen Plan gennant "passive Verteidigung": unter der Führung der UNDA (Union nationale de défense aérienne et pour la protection des populations civiles) - Nationale Luftschutz Union und für den Schutz der Zivilbevölkerung - sind die französischen Gemeinden verpflichtet, passive Verteidigungsmaßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung im Kriegsfall und insbesondere vor Bombenangriffen zu ergreifen. Eine der wichtigsten Maßnahmen bestand darin, den Einwohnern ausgestattete Luftschutzräume zur Verfügung zu stellen.

Um seinen Verpflichtungen nachzukommen, identifizierte Straßburg zunächst die Orte und Räume, in denen die Bevölkerung Unterkunft finden kann. Diese Unterstände wurden dann ausgestattet und eingerichtet: Anschaffung von Lampen, Sandsäcken, Schaufeln, Decken, pharmazeutischen Schränken, Gasmasken, temporären Telefonen usw. Bei beengten Platzverhältnissen, in denen Dutzende von Menschen für mehrere Stunden untergebracht werden sollten, um Gesundheitsprobleme vorzubeugen, sollten diese Unterstände auch für Belüftung, Trinkwasserversorgung oder der Bewirtschaftung menschlicher Exkremente eingrichtet werden.

Die Stadtverwaltung wurde daraufhin von Unternehmen angesprochen, um diesem letzten Bedarf nachzukommen. So finden wir in den Gemeindearchiven dieses Werbe- und Handelsangebot, das mit Fotos für einen "chemischen Toilettenapparat speziell für wasserdichte Unterstände; OHNE WASSER ODER BELÜFTUNG " illustriert ist. Es besteht aus einer zylindrischen Kammer aus emaillierten Blech, einem Eimer ebenfals aus Blech, in dem sich die chemische Lösung befindet, einem Mahagonisitz und einem automatischen Verschlusssystem. Das Angebot wurde jedoch aufgrund von Budgetbeschränkungen abgelehnt, wie im internen Vermerk vom 6. Juli 1939 angegeben, der der Akte beigefügt ist: Die Kosten für Hilfsmittel zur Sterilisation sind für die endgültige Rechnung zu hoch.

Welche technische Lösung wurde gewählt? In der Akte ist dies nicht eindeutig vermerkt, aber in einem Entwurf einer nicht unterzeichneten handschriftlichen Notiz vom 15. Mai 1939 wurde lediglich die Verwendung von Holz- oder Metallfässern vorgeschlagen, die in zwei Teile geschnitten und mit Holz bedeckt waren. Die schriftlichen Akten des Archivs erlauben keinen Rückschluss auf diesen Punkt, aber diese Akte gibt uns auf jeden Fall einen Einblick, dass wir, hinter einem Thema das wahrscheinlich zum Lächeln bringt, die Spur der kommunalen Aktion am Vorabend des Konflikts finden, dies in Übereinstimmung mit den offiziellen Pflichten der Stadt, einschließlich der öffentlichen Gesundheit und der zivilen Sicherheit.